Welt

Kreislaufwirtschaft: Eine neue Welt?
Ökonomie, neu gedacht: Mit der Kreislaufwirtschaft wird linearer Verbrauch durch dauerhaft zirkulierende Materialien ersetzt. Mit enormem Potenzial: Laut McKinsey & Company könnte Europa damit bis 2030 einen Netto-Nutzen von bis zu 1,8 Billionen Euro erzielen[1]. Gleichzeitig ließen sich Versorgungsströme sichern und der Rohstoffbedarf um 32 Prozent senken[2].
Kunststoff gilt dabei als Haupttreiber: Seine nachhaltigen Eigenschaften und hohe Relevanz machen ihn zum Schlüssel der zirkulären Industrie. „Kreislaufwirtschaft und Design for Recycling sind die Zukunft“, sagt Philipp Lehner, CEO eines weltweit führenden Herstellers von Kunststoffverpackungen[3]. Das Unternehmen ALPLA fördert Kunststoff-Kreisläufe unter anderem mit 14 Recyclingwerken weltweit.
Recycling als Erfolgsfaktor
Der Ansatz: In Kreislaufsystemen ist Abfall Ausgang neuer Wertschöpfung. Materialien – insbesondere Kunststoffe – werden mehrfach nutz- und idealerweise zu 100 Prozent recycelbar gestaltet. Um das Ziel zu erreichen, sind mehrere Faktoren entscheidend, Philipp Lehner: „Wir müssen systemische Verpackungen entwickeln, die sich leicht im Kreislauf verankern, das heißt Stoffe, die leicht recycelbar sind. Zudem brauchen wir funktionierende Systeme für die Sammlung. Das funktioniert nur, wenn wiederverwertbaren Werkstoffen ein Wert beigemessen wird. Dann findet sich auch jemand, der Interesse hat, den Marktpreis für die Sammlung zu bezahlen[4].“
Deshalb denkt Kunststoffhersteller ALPLA bereits beim Aufbau eines Recyclingwerks die lokale Sammelstruktur gleich mit, wie etwa in Mexiko[5]. Und arbeitet parallel an Design for Recycling und dem zunehmenden Einsatz von Rezyklat: So brachte ALPLA gemeinsam mit PTT Global Chemicals 2023 in Thailand das erste lebensmittelechte Rezyklat-PET (rPET) auf den Markt, inklusive der ersten vollständig aus rPET bestehenden Flaschen für Pepsi und Mineré. In Indien unterstützte das Unternehmen die Einführung der ersten 100-prozentigen rPET-Flasche durch Coca-Cola und trug damit zum Ziel des Getränkeherstellers bei, bis 2030 50 Prozent recyceltes Material in Verpackungen einzusetzen[6]. Ein Meilenstein: Denn die Herstellung lebensmittelechter Rezyklate ist technisch besonders anspruchsvoll, da höchste Hygiene- und Sicherheitsstandards eingehalten werden müssen, ohne die Materialqualität zu beeinträchtigen.
Zirkularität als Wachstumsmotor
Der Aufwand ist eine Investition in die Zukunft: Ergänzend zur McKinsey-Modellanalyse könnten laut der Stockholmer Investmentfirma Summa Equity die kreislaufwirtschaftlichen Märkte in der EU bis 2040 ein Volumen von rund 1,5 Billionen Euro erreichen[7]. Dabei profitieren Unternehmen von längeren Produktlebenszyklen, höherer Materialeffizienz und geringeren Produktionskosten. Auch der Arbeitsmarkt gewinnt: Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) rechnet damit, dass der Übergang zur Circular Economy bis 2030 weltweit 7 bis 8 Millionen neue Jobs schafft[8].
Europa steht noch am Anfang: Laut European Environment Agency (EEA) lag die zirkuläre Materialnutzungsrate der EU in 2023 bei 11,8 Prozent[9]. Deutschland verwertete im selben Jahr bereits 99,5 Prozent der gesammelten Kunststoffabfälle – über 38 Prozent werk- und rohstofflich/chemisch, mehr als 61 Prozent energetisch[10]. Das verdeutlicht das enorme Potenzial der Kreislaufwirtschaft, speziell bei Kunststoffen.
Kreisläufe als Ressourcensicherung
Zirkuläre Modelle schaffen zudem beständige Ressourcenströme und senken den Bedarf an Erstrohstoffen. Die Materialien bleiben regional und kontrolliert im System, unabhängig von Beschaffungsmärkten und geopolitischen Risiken. So wird die Kreislaufwirtschaft Teil der ökonomischen Infrastruktur, vergleichbar mit Energie- oder Verkehrsnetzen.
Lokale Kreisläufe wirken wie „Materialkraftwerke“ und ersetzen importierte Rohstoffe durch hochwertiges Rezyklat. Das stabilisiert Lieferketten und senkt Kosten. Wachstum entsteht ohne zusätzlichen Materialeinsatz, Ökologie und Ökonomie verschmelzen. Bestes Beispiel: Das Bottle-to-Bottle-System, bei dem aus gebrauchten PET-Flaschen neue hergestellt werden – mit einem geringen Anteil an Erstmaterial. ALPLA hat eine Weinflasche aus PET konzipiert, die noch mehr kann. Daniel Lehner, Global Sales Director Food & Beverage bei ALPLA: „Die Flasche ist vollständig recycelbar und kann mit bis zu 100 Prozent Rezyklat produziert werden.“
Kreislaufwirtschaft als neue Realität
Zirkuläre Systeme entwickeln sich nach und nach zur ökonomischen Wirklichkeit: Der Nutzen eines Materials steigt mit Länge und Anzahl seiner Lebenszyklen. Wertschöpfung entsteht durch Wiederverwertung statt Verbrauch. Unternehmen optimieren Kreislaufquoten und Materialeffizienz statt Produktionsmengen.
Anwender und Konsumenten profitieren in der Kreislaufwirtschaft zusätzlich von Sharing-Systemen. Produkte werden als Service bereitgestellt, Verfügbarkeit ersetzt Eigentum. Unternehmen verkaufen Dienstleistung statt Stückzahlen, bieten anstelle von Maschinen garantierte Performance. Anbieter wie Siemens, Kaeser oder Rolls-Royce nutzen bereits solche Pay-per-Use-Modelle. Auch Tesla zählt mit seinem Robotaxi dazu, Elon Musks Vision: Fahrzeuge in ein gemeinsames autonomes Fahrdienstnetzwerk zusammenzuführen. Die Kreislaufwirtschaft ist damit mehr als ein Nachhaltigkeitskonzept – sie definiert eine Ökonomie, die durch Mehrfachnutzung und Selbsterneuerung wächst.
[1] https://www.mckinsey.com/capabilities/sustainability/
[2] https://www.mckinsey.com/gr/~/media/mckinsey/
[3] https://industriemagazin.at/news/
[4] https://sicherverpackt.de/article/
[5] https://sustainability-report23-24.alpla.com/de/
[6] https://sustainability-report23-24.alpla.com/de/
[7] https://summaequity.com/
[8] https://www.ilo.org/sites/default/files/wcmsp5/
[9] https://www.eea.europa.eu/en/analysis/
[10] https://www.umweltbundesamt.de/daten/
Bildquelle: Plastic is Fantastic Association
Bildunterschrift: Aus Flasche wird Flasche: Kunststoff bleibt im Kreislauf. Kreislaufwirtschaft ersetzt linearen Verbrauch – und macht Verpackungen zu zirkulierenden Rohstoffen mit ökonomischem Mehrwert.

Mikroben machen aus Plastik neue Wertstoffe
Es gibt verschiedene Methoden, gebrauchtes Plastik sinnvoll zu verwerten. Ein weiterer Ansatz ist der Einsatz von Mikroben, Pilzen und Enzymen: Sie bauen Kunststoff nicht nur ab, sondern verwandeln ihn in nützliche Produkte – bis hin zu Medikamenten.
Kunststoff ist eines der wichtigsten Materialien unserer Zeit – und dank seiner Recyclingfähigkeit ein zentraler Bestandteil der Kreislaufwirtschaft. Nun eröffnet sich ein neuer Ansatz: Das aus dem Abbau organischer Abfälle bekannte Bio-Recycling lässt sich auch auf Kunststoff anwenden. Es könnte herkömmliche Recyclingmethoden ergänzen und dazu beitragen, in die Umwelt gelangte Plastikabfälle gezielt abzubauen.
Die Bio-Recycler der Zukunft?
Es wurden Turbo-Enzyme, Power-Pilze und Super-Bakterien entdeckt, die Kunststoffe zersetzen. Ein Beispiel ist „Ideonella sakaiensis“, ein Bakterium, das PET mit Hilfe der Enzyme PETase und MHETase in seine Grundbausteine zerlegt[1]. Durch gezielte Auswahl und Optimierung geeigneter Enzyme lassen sich Varianten einsetzen, die den Plastikabbau deutlich beschleunigen.
Auch Pilze wie „Parengyodontium album“ oder Bakterien namens „Pseudomonas stutzeri“ zeigen beeindruckende Abbauleistungen – selbst bei bislang schwer recycelbaren Kunststoffarten[2]. Die Befunde verdeutlichen: Bio-Recycling ermöglicht die effiziente Verwertung von Plastikabfällen und könnte zu einer wichtigen ergänzenden Strategie im Umgang mit Kunststoff werden.
Vom Plastik zum Medikament
Ein besonders bemerkenswerter Ansatz stammt von Forschern der University of Edinburgh. Sie entwickelten gentechnisch veränderte E. coli-Bakterien, die PET in Paracetamol, ein alltägliches Schmerz- und Fiebermittel, umwandeln können[3]. Der gesamte Prozess erfolgt bei Raumtemperatur und erzeugt nahezu keine CO2-Emissionen – eine umweltfreundliche Alternative zur herkömmlichen Paracetamol-Produktion.
Solche Beispiele zeigen, dass sich Plastik nicht nur abbauen, sondern auch in wertvolle Rohstoffe transformieren lässt – sauber, nachhaltig und innovativ. Selbst neue mikrobielle Gemeinschaften können sich durch Plastik entwickeln.
Wenn Plastik zur Bio-Plattform wird
Auf den Oberflächen von Kunststoffpartikeln entstehen sogenannte „Plastisphären“ – winzige, vom Menschen geschaffene mikrobielle Lebensräume. Hier siedeln sich Bakterien, Pilze und sogar kleine Krebstiere an. Mikroben bilden komplexe Strukturen und entwickeln Stoffwechselprozesse, um Plastik gezielt abzubauen. Gleichzeitig schaffen die Partikel für Insekten und Kleintiere neue Habitate in bisher unbewohnbaren Bereichen der Meere[4].
Plastisphären eröffnen Einblicke in Verwertungsprozesse und deren Potenzial für industrielles Recycling. Nicht nur im Meer. Beispielsweise sucht das führende Schweizer Forschungsinstitut für terrestrische Umweltsysteme WSL in kalten Regionen wie den Alpen und der Arktis nach Bakterien und Pilzen, die Plastik abbauen können. Entdeckt wurde eine überraschend große Vielfalt an Mikroorganismen, die ebenfalls an den Oberflächen von Kunststoffen leben. Dabei neu gefundene, kälteangepasste Bakterien und Pilze können biologisch abbaubare Kunststoffe schon bei 15 °C verdauen – deutlich unter den üblichen Zersetzungstemperaturen von 30 °C, was weniger Energie verbraucht[5].
Vom Plastikmüll zur wertvollen Ressource
Auch Projekte wie das EU-geförderte RECOVER-Projekt kombinieren Mikroorganismen, Enzyme, Regenwürmer und Insekten, um Plastik nicht nur abzubauen, sondern in wertvolle Rohstoffe zu verwandeln. So könnten Kunststoffe zersetzt und in nutzbare Biomasse transformiert werden[6].
Biologisches Recycling von Kunststoff kann eine wertvolle Ergänzung in der Kreislaufwirtschaft sein. Zudem könnten noch unentdeckte Mikroorganismen und Biokatalysatoren künftig neue Wege eröffnen, Plastik effizient zu verwerten.
Diese Methode darf jedoch nicht dazu führen, dass gebrauchtes Plastik achtlos in die Umwelt gelangt. Ziel ist es, Kunststoff im Kreislauf zu halten. Dass Mikroben, Pilze und Enzyme Kunststoff zersetzen und in wertvolle Bausteine umwandeln, bietet einen neuen Ansatz in der Materialrückführung – der auch hilft, bereits in der Umwelt befindlichen Plastikmüll zu reduzieren. Bio-Recycling macht dort Sinn, wo herkömmliche Recyclingmethoden an ihre Grenzen stoßen und Plastik bislang ungenutzt verloren geht.
[1] https://en.wikipedia.org/wiki/Ideonella_sakaiensis
[2] https://en.wikipedia.org/wiki/Parengyodontium_album
[3] https://www.nature.com/articles/s41557-025-01845-5
[4] https://en.wikipedia.org/wiki/Plastisphere
[5] https://www.wsl.ch/de/projekte/
[6] https://recover-bbi.eu/project/
Bildquelle: Plastic is Fantastic Association
Bildunterschrift: Mikroben, Pilze und Enzyme machen vor, wie biologische Systeme Plastik nicht nur abbauen – sondern in Rohstoffe, Habitate und sogar Medikamente verwandeln.

Kunststoff baut Zukunft: Additiv, adaptiv, attraktiv
Kunststoffe spielen eine immer größere Rolle im modernen Bauwesen – ob innovativer Leichtbau oder 3D-Druck. Gegenüber klassischen Baumaterialien sparen sie Ressourcen, Kosten und verringern Emissionen. Zusätzlich überzeugen Kunststoffe mit multifunktionalen Eigenschaften und ermöglichen eine kreative Architektur.
Die Baubranche steht unter Druck: Sand und Kies werden knapp, in den Städten fehlt Wohnraum. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Eine Herausforderung.
Aus Kunststoff gebaut: schonender und leistungsfähiger
Laut einer aktuellen Studie des Wuppertal Instituts[1] zählt die Bauwirtschaft zu den rohstoffintensivsten Branchen. Sie verursacht fast die Hälfte des globalen Rohstoffabbaus, verbraucht ein Drittel der Energie und ist für rund 32 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen verantwortlich. Beim Bau, Umbau und Abriss fallen zudem große Abfallmengen an – in der EU etwa 36 Prozent des gesamten Müllaufkommens. Die Konsequenz: Wachsende Städte brauchen Bauweisen, die mit weniger Material mehr leisten. Die Lösung: Kunststoffe.
Denn Kunststoffe sind leicht, belastbar und vielseitig formbar. Sie dämmen, leiten, schützen – dauerhaft. Herausragend ist ihre Materialeffizienz: Durch gezielte Faser-Verstärkung wird Kunststoff extrem stabil bei minimalem Volumen. Fensterrahmen, Rohre oder Dämmstoffe bestehen bereits mehrheitlich aus Kunststoff, zunehmend werden auch Kunststoff-Fassadensysteme eingesetzt. Der europäische Bausektor verbraucht dafür rund 10 Millionen Tonnen pro Jahr – 20 Prozent des gesamten Kunststoffbedarfs[2]. Aufgrund der Vorteile: Tendenz steigend.
Leichtbauten vom 3-D-Drucker: schneller und effizienter
Vor allem der Leichtbau hat Zukunft: „Durch Leichtbau lässt sich in Städten dringend benötigter Wohnraum schaffen, indem auf bestehende Gebäude weitere Stockwerke aufgesetzt werden, ohne die Fundamente zu überlasten. Brücken in Leichtbauweise benötigen leichtere Fundamente und können schneller errichtet werden“, sagt Prof. Dr. Markus Milwich vom Kompetenzzentrum Polymere und Faserverbunde der DITF.
Leichtbau bedeutet mehr als Gewichtsreduktion – er ist ein strategisches Prinzip für die urbane Transformation: von Wohnungsbau, Nachverdichtung und hybriden Konstruktionen über Infrastruktur, digitale Bauprozesse und funktionsintegrierte Fassaden. Der 3D-Druck mit Polymeren geht noch weiter. In den USA, den Niederlanden und China entstehen ganze Häuser aus der Düse – mit polymermodifiziertem Mörtel oder Granulat aus Recyclingkunststoff. Das spart Zeit, Material und Transportkosten. Keine Schalung. Kein Verschnitt. Ein Haus kann in nur 24 Stunden entstehen[3].
Nachhaltigkeit via Plastik-Mix: stabiler und zukunftssicherer
Durch Compounding und Faserverstärkung lassen sich Kunststoffe gezielt für den Bau optimieren – etwa durch den Einsatz von Glas- oder Carbonfasern. Die faserverstärkten Kunststoffe (GFK, CFK) sind besonders langlebig und stabil. Prof. Dr. Markus Milwich: „Wird beim Betonbau die Stahlbewehrung durch Matten oder Stäbe aus Carbon,- Glas-, Basalt- oder sogar auch Naturfaserverbunde ersetzt, können die Betonwand oder der Betonboden wesentlich dünner ausgeführt werden, weil die GFK/CFK-Bewehrungen nicht rosten. Das Rosten der Stahlbewehrung war die Ursache für den Einsturz der Brücken in Dresden und Genua.“ Der Einsatz faserverstärkter Kunststoffe bringt nicht nur mehr Sicherheit, er spart darüber hinaus Material, Kosten und schont die Umwelt.
Auch mit gebrauchten PET-Flaschen, welche wiederum zu Fasern verarbeitet werden, lässt sich Beton umweltfreundlicher und belastbarer machen. Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat gezeigt: Bereits die Zugabe geringer Mengen oberflächenaktivierter PET-Kurzfasern steigert die Stabilität des Betons erheblich, so dass weniger davon verbraucht wird[4]. Ein Gewinn für die Ökologie: Der geringere Bedarf an Zement senkt die hohen Emissionen bei der Betonherstellung und reduziert das Müllaufkommen.
Ob PET-, Glas- oder Carbonfaserverstärkter Beton, modulare Wandsysteme, steckbare Fassaden oder austauschbare Rohre – Kunststoffe sind flexibel, effizient und mit modernen Sortiersystemen weitgehend recycelbar. Auch Fahrplatten, Stallbodenauskleidungen, Schachtdeckel oder Gittersteine aus wiederverwertetem Kunststoff überzeugen: Die gewichtsreduzierten, wasserdurchlässigen und wartungsarmen Module lassen sich in kürzester Zeit verlegen. Fazit: Kunststoffe machen das Bauen leichter, schneller, günstiger und nachhaltiger – damit erfüllen sie die hohen Anforderungen künftiger Urbanisierung.
[1] https://wupperinst.org/fileadmin/redaktion/downloads/projects/
[2] https://plasticseurope.org/de/nachhaltigkeit/klima/bauwirtschaft/
[3] https://iconbuild.com
[4] https://www.sciencedirect.com/science/article/
Bildquelle: Plastic is Fantastic
Bildunterschrift: Der Einsatz faserverstärkter Kunststoffe bringt nicht nur mehr Sicherheit, er spart darüber hinaus Material, Kosten und schont die Umwelt.

Plastiktüten schonen die Umwelt
Ein schwedischer Ingenieur meldete 1965 in den USA eine bahnbrechende Erfindung zum Patent an: „Eine Tasche aus schweißbarem Kunststoff mit Griffen.“ Heute kennen wir das Produkt als Plastiktüte. Die Idee zu seiner Innovation hatte Sten Gustaf Thulin, weil in diesen Jahren der steigende Bedarf an Papiertüten dazu führte, dass immer mehr schwedische Wälder abgeholzt wurden.
Unter praktischen Gesichtspunkten sind Plastiktüten bis heute eine geniale Erfindung. Sie sind nach außen und innen wasserdicht, sie wiegen fast nichts und sind bis zum Tausendfachen ihres Eigengewichts belastbar. Sie lassen sich so klein zusammenfalten, dass sie in jede Tasche passen. Je nach Materialstärke sind sie mehrfach wiederverwendbar.
Dennoch haben sie in der Öffentlichkeit ein schlechtes Image, das in einigen Regionen der Welt bis zum Verbot von Plastiktüten im Handel geführt hat. Der schlechte Ruf rührt daher, dass man sie als Wegwerfartikel betrachtet, obwohl sie sehr oft und sehr lange wiederverwendbar sind, bis das Material dann doch einmal reißt. Die Öffentlichkeit nimmt Alternativen aus Papier oder Baumwolle als umweltfreundlicher wahr, da sie aus pflanzlichen Materialien bestehen. Das klingt zwar beruhigend, ist es aber nicht. Beispiel Papiertüte: Die Gewinnung des Rohstoffs Holz, die Herstellung von Papier sowie der Transport zu den Konsumenten verbrauchen klar mehr Ressourcen als vergleichbare Verpackungen aus Kunststoff. Eine Papiertüte müsste mehr als 40-mal wiederverwendet werden, um die Umweltbilanz einer nur einmal benutzten Kunststofftüte zu erreichen. Das hatte ihr Erfinder Sten Gustaf Thulin weitblickend vorausgesehen. Mehr Papier verlangt nach mehr Holz, was die Waldbestände gefährdet.
Eine Stofftasche aus Bio-Baumwolle müsste sogar mindestens 130-mal verwendet werden, um wirklich eine sinnvolle Alternative zu sein. Denn für den Anbau der Pflanzen setzen ihre Produzenten große Mengen an Düngemitteln und Wasser ein. Auf Dauer führt das jedoch zu versalzten und ertragsarmen Böden.
Diejenigen, die sich für ein Verbot von Plastiktüten starkmachen, unterschätzen möglicherweise auch die Vernunft der Verbraucher. Wo Kunststofftaschen aus dem Handel verbannt wurden, sank zwar die Nachfrage nach ihnen, doch es stieg der Bedarf an Müllbeuteln. Diese sind aus Kunststoff, weil das Material hier unschlagbare Qualitäten hat: Dichtigkeit und Reißfestigkeit. Vor dem Verbot hatten viele Konsumenten Tragetaschen mehrfach genutzt und am Ende zum Sammeln ihrer Wertstoffe und des Restmülls verwendet.
Das wäre ganz im Sinne ihres Erfinders gewesen. Sein Sohn sagte in einem Interview mit einem britischen Medium einmal: „Mein Vater hätte es bizarr gefunden, wenn die Leute so ein praktisches Ding einfach weggeworfen hätten.“
Bildquelle: ALPLA
Bildunterschrift: Das Material der Plastiktüte hat unschlagbare Qualitäten: Es ist nach außen und innen wasserdicht, reißfest und wiegt fast nichts. Außerdem sind Plastiktüten bis zum Tausendfachen ihres Eigengewichts belastbar.

Was uns schwer und teuer ist
Die Herstellung von Glas braucht viel Energie und ist daher von den hohen Beschaffungspreisen besonders betroffen. Der Bundesverband Glasindustrie sprach in 2022 von einer Verfünffachung der Kosten. Die Getränkeindustrie wird die Preissteigerung an die Verbraucher weitergeben. Eine gute Alternative: PET-Flaschen. Sogar in mehrfacher Hinsicht.
Rund um die Uhr befeuert: Glas mag es besonders hitzig
Heißer als in einem Vulkan geht es bei der Glasherstellung zu. Bis zu 1.600 Grad Celsius brauchen die Rohstoffe, darunter Sand, Kalk und Soda, um zu schmelzen. Selbst bei einem Anteil von 65 Prozent Scherben aus Altglas sind es immer noch 1.400 Grad Celsius. Hierfür müssen die Glashütten pausenlos mit Gas oder Öl einheizen, ihre Öfen dürfen keinen Moment stillstehen, ansonsten gehen sie kaputt. Das hat seinen Preis, vor allem derzeit – die gestiegenen Energiekosten schlagen voll durch, trotz staatlicher Preisbremsen.
Laut dem Deutschem Umweltbundesamt gehört die Glasherstellung zu den energieintensivsten Industrien überhaupt. Entsprechend hoch ist der Versorgungsbedarf wie auch die Emission von Kohlendioxid, Stickoxid, Schwefeldioxid und Staub.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) macht im „Branchensteckbrief der Glasindustrie“ von 2020 dazu folgende Angaben: In 2015 benötigte die Glaswirtschaft allein für den Schmelzprozess 51,93 Petajoule Energie, was rund 14.436 Gigawattstunden entspricht. Zum Vergleich: Eine herkömmliche Windkraftanlage produziert bei einer Leistung von 6 Megawatt etwa 10 Gigawattstunden pro Jahr und beliefert damit in diesem Zeitraum rund 3.500 Haushalte mit Elektrizität[1]. Wollte man daraus den Energiebedarf der Glasindustrie von 2015 decken, bräuchte es 1.443 Windräder – was einer jährlichen Stromversorgung von über 5 Millionen Haushalten gleichkommt.
Parallel hat die Glasindustrie in 2015 insgesamt 4,881 Millionen Tonnen CO2 emittiert[2]. Angesichts dessen könne die Glasproduktion auch niemals nachhaltig sein, bemerkt dazu das Umweltbundesamt. Ein Ausweg: Speziell für Behälterglas zur Getränkeabfüllung gibt es bereits Alternativen, die weniger Energie verbrauchen und klimafreundlicher sind. Allen voran Flaschen aus PET-Kunststoff.
Auf dem Mehrweg oder Einweg: Was läuft ökologisch besser?
Glas- und PET-Flaschen haben Parallelen: Beide Verpackungsformen werden aus Rohstoffen hergestellt, die abgebaut beziehungsweise gefördert werden müssen – bei Glas ist es Sand, bei PET-Erdöl. Allerdings braucht die Produktion von PET-Flaschen lediglich Temperaturen um die 265 Grad Celsius, über 83 Prozent weniger Hitze als bei der Glasherstellung.
Aus beiden Materialien werden sowohl Einweg- als auch Mehrwegflaschen hergestellt, sie können zudem ähnlich gut recycelt werden. Bei Mehrwegflaschen macht es aus Sicht des Umweltbundesamtes keinen Unterschied, ob sie aus Glas oder PET sind[3]. Die Wiederbefüllung – bei Glas bis zu 50-mal, bei PET etwa die Hälfte – wiegt bei Rohstoffbedarf und Nachhaltigkeit einiges auf. Eine Neuproduktion verbrauche mehr Energie und Ressourcen als der Rücktransport und die Reinigung von Mehrwegflaschen, so das Umweltbundesamt weiter.
Doch die Ansicht wird angezweifelt. „Ein Blick in Ökobilanzen verrät: Zur Achilles-Sehne von Mehrwegflaschen kann vor allem die Transport-Logistik werden“, bemerkt dazu Dr. Isabell Schmidt vom Industrieverband Kunststoffverpackungen e.V.
Was das Mehrwegsystem bei Glasflaschen zusätzlich ins Stocken geraten lässt, sind Individualflaschen. Zu Marketingzwecken vermehrt von Getränkeherstellern eingesetzt, können sie andere Abfüller nicht verwenden. Die Fremdflaschen, die einen Anteil von bis zu 50 Prozent ausmachen können, müssen aussortiert und an den Ursprungsbetrieb zurückgeführt werden. Das verursacht zusätzliche Transportkosten und ökologische Nachteile.
Wiegt schwer: Warum die Logistik ins Gewicht fällt
Ohnehin ist der Transport ein bedeutender Faktor in der Energie- und Emissionsbilanz von Verpackungen, speziell bei Glas. Die Distanzen zwischen Hersteller, Abfüller und Handel schlagen zu Buche – je weiter, desto mehr. So auch das Gewicht der Flaschen: Während eine 1 l-PET-Einwegflasche gerade mal 28 Gramm auf die Waage bringt, sind es bei einer 1l-Glasflasche etwa 550 Gramm, knapp das 20fache mehr. 1 Tonne Gewicht entspricht 1.800 Glasflaschen und 35.000 Flaschen aus PET. Umso schwerer das Eigengewicht der Verpackung, entsprechend aufwändiger und energieintensiver ist die Logistik.
Vor allem bei der Rückführung der Pfandflaschen vom Handel zum Wiederverwerter wird das Ausmaß sichtbar. Der Bund Getränkeverpackungen der Zukunft (BGVZ) rechnet vor: 400.000 gepresste PET-Flaschen benötigen zum Transport 1 LKW-Ladung, bei 400.000 Glasflaschen sind es 26 LKW-Ladungen.
Laut dem „Branchenausblick 2030+“ für die Glasindustrie, herausgegeben von der Stiftung Arbeit und Umwelt der IG BCE[4], sehen die Glashersteller Chancen und Risiken für ihre Zukunft. Als Belastungen werden die energieintensive Herstellung und ein erschwerter Wandel zu Technologien mit geringerem Ausstoß an Treibhausgasen genannt. Zudem befürchtet die Branche weiterhin hohe Versorgungskosten und strengere Umweltauflagen. Aktuelle Zahlen bestätigen die Befürchtungen bereits: Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, verteuerten sich Glasflaschen besonders stark: Für Flaschen aus ungefärbtem Glas legten die Erzeugerpreise Anfang 2023 gegenüber Januar 2022 um 40,2 Prozent zu, Flaschen aus Buntglas verzeichnen ein Plus von 37 Prozent[5]. Ursache ist nach wie vor die teure Energie, hinzu kommen gestiegene Kosten für Rohstoffe zur Glasherstellung: 58,5 Prozent mehr für Soda, 30,4 Prozent für Quarzsand 30,4 und 27,3 Prozent für gemahlenen Kalkstein[6]. Des Weiteren rechnet die Glasindustrie mit einer starken Konkurrenz durch alternative Verpackungsmaterialien – wie die Flasche aus PET.
[1] praxistipps.chip.de/wie-viel-strom-produziert-ein-windrad-das-muessen-sie- wissen_155947
[2] (BMWK) macht im „Branchensteckbrief der Glasindustrie“ von 2020
[3] Umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/essen trinken/mehrwegflaschen#unsere-tipps
[4] Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie
[5] Spiegel.de, 16.03.2023
[6] Spiegel.de, 16.03.2023
Bildquelle: ALPLA
Bildunterschrift: Heißer als in einem Vulkan geht es bei der Glasherstellung zu. Bis zu 1.600 Grad Celsius brauchen die Rohstoffe Sand, Kalk und Soda, um zu schmelzen.

Plastikmüll: Vom Problem zum Potenzial
Abfall war schon immer etwas Verborgenes. Erst mit dem weltweiten Aufkommen des Kunststoffmülls wird der Umgang mit dem benutzten Material sichtbar. Vor allem in Gestalt gebrauchter Plastikflaschen – sie gelten als Zeichen einer achtlosen Wegwerfmentalität. Klar ist: Kunststoff sollte nicht in der Umwelt landen – worauf auch der jährlich stattfindende Weltumwelttag am 5. Juni 2025 aufmerksam macht. Hier kommt es zu einem Wandel: Plastikabfall wird zunehmend als wertvoller Rohstoff entdeckt. Und so zum Teil der Lösung.
Plastik ist eine andauernde Erfolgsgeschichte. Seit Jahrzehnten als zentraler Bestandteil von Industrie und Alltag etabliert, entwickelt sich Kunststoff auch nach der Gebrauchsphase zum wichtigen Faktor für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft.
Statt Wegwerfprodukt nun Wertstoffquelle
Die globale Präsenz des Plastikmülls und dessen Eigenschaft zur Wiederverwertung hat die politische Agenda und gesellschaftliche Haltung zum Thema Müll und Umwelt neu ausgerichtet. Es ist ein grundlegender Paradigmenwechsel: Was bisher als nutzloser Abfall galt, wird nun zunehmend als wertvolle Ressource entdeckt. Statt Müll also wie üblich einfach nur schnellstmöglich zu beseitigen, wird er nun effektiv genutzt – entweder durch ein stoffliches Recycling, das aus dem gebrauchten Material neue Komponenten oder komplette Produkte macht. Oder mit der thermischen Behandlung, die in der Verwertung von nicht oder nicht mehr recycelbaren Abfällen frische Energie erzeugt.
Treiber für Transformation
Die Wahrnehmung des Mülls als Rohstoffpotenzial bringt auch viele Innovationen voran: Vom Ausbau umweltfreundlicher und mobiler Anlagen zur thermischen Abfallumwandlung in Strom über die Kompostierbarkeit von bestimmten Kunststoffen bis zu innovativen Aufbereitungstechniken, wie beispielsweise das molekulare Plastik-Recycling mit Enzymen.
Hinzu kommt der Einsatz neuer Biomaterialien sowie Verpackungsdesigns mit höherer Materialeffizienz, geringerem Gewicht und wachsendem Rezyklateinsatz. Diese Fortschritte münden schließlich in einen zirkulären Verwertungskreislauf, bei dem kein Müll mehr anfällt, wie es das bottle-to-bottle-System der PET-Flasche bereits vormacht.
Mehr Achtsamkeit und Initiativen
Verstärkt werden diese Entwicklungen durch sensibilisierte Verbraucher, die zunehmend aufmerksam mit Müll umgehen und sich an Aufräumaktionen beteiligen. Auch effektive Pfand- und Entsorgungssysteme sowie zahlreiche Initiativen zur produktiven Verwertung des Abfalls leisten einen wichtigen Beitrag – wie beispielsweise die Recyclinganlagen IMER und PLANETA in Mexiko, die Plastikmüll von lokalen Sammlern gegen Entgelt annehmen und damit Umweltschutz und Einkommensmöglichkeiten zusammenbringen.
Fazit – Plastikmüll eröffnet Perspektiven
Der Schlüssel dieses Veränderungsprozesses liegt darin, Kunststoff einen Wert zu geben. Abfall wird damit vom nutzlosen und problematischen Überrest zum Rohstoff mit Potenzial. Durch den wirtschaftlichen Anreiz entstehen Zweitmärkte, die innovative Verwertungskonzepte und fortschrittliche Recyclingtechnologien hervorbringen und vorantreiben.
Zudem ergibt sich daraus auch eine grundlegend neue Sichtweise auf Abfall – er wird bewusst wahrgenommen, Auslöser für ein besseres Verständnis für den Stellenwert und den Lebenszyklus von Ressourcen. Das führt zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit dem Material in jeglicher Form, begleitet von geringerer Verschwendungsneigung und höherer Entsorgungsbereitschaft. Gebrauchte Plastikflaschen gelten dann nicht mehr als Zeichen einer achtlosen Wegwerfmentalität, sondern werden zum Symbol für eine aktive und nachhaltige Kreislaufwirtschaft. Ganz im Sinne des Weltumwelttages.
Bildquelle: ALPLA
Bildunterschrift: Durch ihre gute Wiederwertbarkeit entwickeln sich gebrauchte Plastikflaschen zunehmend vom Wegwerfprodukt zur Wertstoffquelle. Damit verändert sich auch das Bewusstsein für Abfall: Müll wird vom Problem zum Potenzial, was zu einem achtsamen Umgang und mehr Umweltschutz führt.

Wie die Rückgabe auf Reisen funktioniert
Wer unterwegs ist und dabei gerne Plastikflaschen nutzt, muss darauf nicht verzichten. Getränke in PET-Flaschen sind rund um den Globus erhältlich und können fast überall in öffentlichen Sammelbehältern entsorgt oder bei Händlern abgegeben werden. Zudem haben zahlreiche Länder eigene Pfandsysteme oder führen sie aktuell ein, wie Österreich ab 2025. Außerdem ist „Plastic“ durchaus „fantastic“: In Rom und Istanbul kann man sogar gebrauchte Plastikflaschen für Bus- und Bahntickets eintauschen. Oder gegen Hundefutter. Frankreich setzt derweil auf Entertainment.
Sie haben kaum Gewicht und gehen nicht kaputt: PET-Flaschen sind die idealen Reisebegleiter. Ob im In- oder Ausland – Plastikflaschen sind weltweit verfügbar, lassen sich einfach transportieren, leicht lagern und vor Ort auch wieder entsorgen. Gerade bei der Rückgabe der Plastikflaschen ist nicht nur Nachhaltigkeit, sondern auch viel Kreativität im Spiel.
Plastiktonne und Pfandsystem
In den meisten Urlaubsorten gibt es Container, wo Reisende ihre gebrauchten Plastikflaschen umweltgerecht entsorgen können. Zusätzlich haben viele Regionen ein Pfandsystem wie in Deutschland, etwa Skandinavien, die Niederlande oder Kroatien. Auch im fernen Südseeparadies Hawaii. Dort wird für jede Plastikflasche ein Beverage Deposit von 5 Cent erhoben, das man bei so genannten Beverage Container Redemption Centers, also den regionalen Annahmestellen, zurückerhält. Österreich erhebt ab 2025 ein Pfand von 0,25 Euro pro Einwegflasche aus Kunststoff. Andere Staaten, wie Italien oder Spanien, haben bisher kein Pfandsystem, auch die Türkei und Frankreich nicht.
Umweltfreundlich und unterhaltsam
Doch was die Entsorgung von Plastikflaschen betrifft, sind diese Länder äußerst kreativ. In französischen Supermärkten stehen beispielsweise Automaten mit der Bezeichnung „B:Bot“[1]. Die elegant designten und „Bibotte“ ausgesprochenen Maschinen nehmen Plastikflaschen entgegen und zerkleinern sie sofort in funkelnde und wiederverwertbare Minischnipsel. „Plastic“ also ganz „fantastic“, denn der Clou ist: Das Ganze spielt sich hinter einer Glasscheibe ab, durch die man das Schauspiel beobachten kann, was besonders Kinder fasziniert. Obendrauf gibt es für die abgegebenen Plastikflaschen noch eine Belohnung, die der Händler selbst bestimmt, beispielsweise in Form von Gutscheinen oder Gewinnspiellosen.
Fahrkarten und Futter
In Rom lassen sich über das Projekt „+Ricicli +Viaggi“[2] gebrauchte Plastikflaschen in Bus- und Bahntickets eintauschen. Das Engagement erhielt 2022 einen Preis für Innovation in der Politik von der Wiener Organisation „The Innovation in Politics Institute“[3]. Die gleichen Maschinen stehen auch im türkischen Istanbul, darüber hinaus wartet die Metropole mit einer weiteren Entsorgungs-Attraktion auf: Ein Automat, der bei Rückgabe von Plastikflaschen kein Pfandbon ausgibt, sondern trockenes Hundefutter, speziell gedacht für die herrenlosen Straßenhunde der Stadt[4].
Wertvoll und wiederverwendbar
Wer schließlich ärmere Regionen der Welt bereist, hat die Möglichkeit, seine leeren Plastikflaschen den Einheimischen zu spenden. Beispielsweise können Sammler im ländlichen Teil von Mexiko PET-Flaschen bei den Recyclingunternehmen IMER und PLANETA gegen Entgelt abgeben. Auch die Plastic Bank tauscht Rückgabeflaschen in Geld oder Leistungen ein. In Nigeria gibt es sogar eine Schule, die als Schulgeld von den Eltern gebrauchte Plastikflaschen akzeptiert.
Mit Pfandsystemen oder kreativen Rückgabemöglichkeiten wird ein Bewusstsein geschaffen für den Wert des Materials und eine ordentliche Entsorgung der Plastikflaschen. Die lassen sich einfach gut weiterverwerten – entweder thermisch in frische Energie oder stofflich für neue Produkte. Nachhaltigkeit steht aber auch schon am Beginn ihrer Lebensreise: Bereits bei Herstellung und Transport sparen Plastikflaschen gegenüber Glasbehältern oder Metalldosen aufgrund ihres niedrigen Schmelzpunktes und des geringen Gewichts jede Menge Energie und Emissionen ein.
[1] https://b-bot.com
[2] https://www.atac.roma.it/en/tickets-and-passes/ricicli-viaggi
[3] https://innovationinpolitics.eu/showroom/project/ricicli-viaggi-the-more-you-recycle-the-more-you-travel/
[4] http://pugedon.com
Bildquelle: Pugedon Arge A.Ş
Bildunterschrift: In Istanbul geben innovative Anlagen bei der Rückgabe von PET-Flaschen kein gewöhnliches Pfand zurück, sondern Futter für Straßenhunde.

Wie PET-Flaschen im Notfall helfen
Bei Krisen hat das Bereitstellen von sauberem Trinkwasser höchste Priorität. Hier sind Plastikflaschen das Mittel der Wahl und leisten schnell Hilfe. Denn das Wasser in den leichten und bruchfesten Kunststoffverpackungen lässt sich unmittelbar an die Einsatzorte bringen.
Nicht nur im Alltag, sondern auch in Extremsituationen zeigen Plastikflaschen ihren Wert: Durch sie können Menschen rasch mit Trinkwasser versorgt werden – bei zusammengebrochener Versorgungsstruktur rettet das Leben.
Ideal für den mobilen Einsatz
Naturkatastrophen und Konflikte prägen das Weltgeschehen. Krisen erfordern sofortiges Handeln, vor allem bei Wasser. Bis Anlagen zur Trinkwasseraufbereitung vor Ort zum Einsatz kommen, lässt sich mit Kunststoffflaschen die erste Not mildern. Zusätzlich sind die hygienischen wie praktischen PET-Flaschen wichtiges Element bei der dezentralen Wasserverteilung – vor allem für schwer zugängliche oder entlegene Gebiete.
„Abgefülltes Trinkwasser macht die Versorgung mit sauberem, sicherem Wasser in vielen Regionen und vor allem in Krisengebieten überhaupt erst möglich. Trinkwasser kann auf diese Weise vorgehalten, transportiert und schnell zur Verfügung gestellt werden bei Bedarf. PET-Flaschen sind auch das geeignete Konzept: Sie haben ein geringes Eigengewicht, sind sicher, bruchfest und recyclebar“, sagt Dr. Sieg-linde Stähle, wissenschaftliche Leiterin beim Lebensmittelverband Deutschland. Auch zur Versorgung Flüchtender, die nur wenig Gewicht mit sich führen können, eignen sich die Plastikflaschen.
Der Bedarf ist groß: In 2022 waren weltweit über 340 Millionen Menschen in humanitärer Not[1], 108,4 Millionen auf der Flucht[2], es gab 421 Naturkatastrophen[3] und insgesamt 363 Konflikte[4]. Wie der Krieg in der Ukraine, die im gleichen Jahr zur Versorgung ihrer Bevölkerung um die Lieferung von Trinkwasser und PET-Flaschen bat[5] Zur Vorbereitung von Notlagen rät das deutsche Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zwei Liter Flüssigkeit pro Person und Tag einzukalkulieren[6], was bei einem 10-tägigen Getränkevorrat eines Drei-Personenhaushalts 60 Litern entspricht – die in 40 leichten und stabilen 1,5 Litern-PET-Flaschen unkompliziert angelegt und bei Bedarf schnell und sicher verlagert werden können.
Soziales Plastik lindert Armut
Während sich PET-Flaschen in akuten Krisen als wesentlicher Bestandteil der Versorgungskette erweisen, können auch benachteiligte Regionen in Entwicklungs- und Schwellenländern vom Plastik profitieren. Und das in mehrfacher Hinsicht: Zu den stofflichen Vorzügen des Materials sind Kunststoffflaschen durch ihre niedrigen Herstellungskosten vor allem sozial schwächeren Bevölkerungsschichten zugänglich.
Außerdem wird Plastikmüll als Wertstoffquelle entdeckt und eröffnet damit Einkommensperspektiven. Wie beispielsweise in Mexiko, wo ein Recyclingunternehmen unter Beteiligung eines Verpackungsherstellers gebrauchte PET-Flaschen von Sammlern gegen Entgelt annimmt – unter anderem mit eigenen Lastwagen, um die fehlende Infrastruktur auszugleichen. Ein Projekt, das Müllentsorgung und Armutsbekämpfung zusammenbringt. Gleiches verfolgt auch die plasticbank[7], bei der eingesammelte Kunststoffabfälle ebenfalls für Bares, Waren des täglichen Bedarfs oder Dienstleistungen, wie Internetzugang und das Aufladen des Handys, eingetauscht werden können.
Trinkwasser ist unverzichtbar. Laut dem UN-Weltwasserbericht 2022 konnten sich 2,2 Milliarden Menschen nicht direkt mit sicherem Trinkwasser versorgen[8]. Und die UNICEF konstatiert: In Konflikten und Krisen fehlt Kindern doppelt so häufig der Zugang zu Wasser[9]. Kunststoffflaschen können hier einen wichtigen Beitrag leisten.
[1] https://www.rescue.org/de/artikel/die-zehn-schlimmsten-humanitaeren-krisen-2023
[2] https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/informieren/fluechtlingszahlen
[3] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/anzahl-der-weltweiten-naturkatastrophen/
[4] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/entwicklung-der-anzahl-von-konflikten-weltweit/
[5] https://brauer-bund.de/pressemitteilungen/ukraine-bittet-um-trinkwasser-und-pet-flaschen/
[6] https://www.bbk.bund.de/DE/Warnung-Vorsorge/Vorsorge/Bevorraten/bevorraten_node.html
[7] https://plasticbank.com/
[8] https://www.unesco.de/kultur-und-natur/wasser-und-ozeane/weltwasserbericht-2022-grundwasser
[9] https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/weltwassertag-2023-zehn-fakten-ueber-wasser/
Bildquelle: ALPLA
Bildunterschrift: Konflikte, Naturkatastrophen und Flucht bringen Menschen in humanitäre Not. „Abgefülltes Trinkwasser macht die Versorgung mit sauberem, sicherem Wasser in vielen Regionen und vor allem in Krisengebieten überhaupt erst möglich“, sagt Dr. Sieglinde Stähle, wissenschaftliche Leiterin beim Lebensmittelverband Deutschland. PET-Flaschen können hierbei aufgrund ihrer Bruchfestigkeit und des geringen Eigengewichts einen wertvollen Beitrag leisten.

Von Flüssen und Fischerbooten
Eine Menge Müll treibt in unseren Ozeanen. 75 Prozent davon sind aus Plastik und haben zwei Ursachen: So tragen Flüsse, genauer gesagt 10 an der Zahl, Kunststoffabfälle vom Land in die Meere - eine Erkenntnis, aus der sich gezielt Gegenmaßnahmen entwickeln lassen. Der Großteil des Plastiks hingegen stammt aus verloren gegangener Fangausrüstung der kommerziellen Fischerei, was bisher kaum ins öffentliche Bewusstsein drang. Hier gestaltet sich ein Vorgehen auch deutlich schwieriger.
Professioneller Fischfang – die Hauptquelle des Plastikmülls
Auch Fischer schätzen die positiven Eigenschaften von Plastik, vor allem das leichte Handling sowie die höhere Haltbarkeit und Zuverlässigkeit gegenüber natürlichen Materialien. Auf Fang in den Ozeanen gehen täglich rund 4,6 Millionen Fischerboote. Was auch zu Materialverlusten führt: Der WWF schätzt, dass 40 Prozent - 50 Prozent[1] des Plastikmülls allein aus verloren gegangenen Fischereigeräten stammen - Seile, Leinen, Bojen, Körbe, Eimer, Angelschnüre, Netze. Pro Jahr kommen über 1 Million Tonnen hinzu.
Aufmerksam wurde man auf das Phänomen bei Untersuchungen des größten Müllstrudels der Welt im Nordpazifik zwischen Hawaii und Kalifornien - dem Great Pacific Garbage Patch (GPGP). Überraschendes Ergebnis: Hauptbestanteil des Plastikmülls waren mit rund 70 Prozent tatsächlich Ausrüstungsgegenstände der Fischerei, davon 46 Prozent Geisternetze, in Gewicht etwa 705.000 Tonnen[2].
Aktuelle Studien bestätigen nicht nur den Befund, sondern erhöhen die Zahlen noch: Laut einer Analyse der Umweltinitiative „The Ocean Cleanup“[3], bekannt als Müllfänger im Meer, stammen sogar zwischen 75 und 86 Prozent des Plastikabfalls im GPGP aus der Hochseefischerei.
Wie kann das passieren? Bei Fangarbeiten, Stürmen oder Unfällen geht Equipment über Bord. Auch Stell- oder Schleppnetze reißen ab und treiben fortan als „Geisternetze“ herrenlos durch die Ozeane oder verfangen sich am Boden, an Gesteinen, Riffen oder Wracks.
Geisternetze zu bergen, ist aufwändig, da sie zunächst aufgespürt werden müssen, hierfür wird neuerdings Sonar eingesetzt, auch will man Netze mit GPS-Trackern ausrüsten. Die Hebung ist Handarbeit, oft sitzen die Netze fest und müssen mühsam befreit werden. Auch ihr robuster Materialmix bedarf eines intensiven Recyclings. Länder, Forschungseinrichtungen, Umweltorganisationen und Fischereibetriebe sind sich mittlerweile der Bedeutung des Themas bewusst und leiten bereits Gegenmaßnahmen ein.
Flüsse sind effektive Transportwege - auch für Müll
Der zweite Grund, weshalb Plastikabfälle in die Meere gelangen, ist ebenfalls genau auszumachen: Untersuchungen belegen, dass sich die weltweite Müllzufuhr vom Land in die Ozeane hauptsächlich auf die 10 größten Wasserstraßen aus Asien und Afrika eingrenzen lässt. Die spülen allein rund 12 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr in die maritimen Gewässer. Allen voran der Jangtsekiang, gefolgt von Indus, Huangho, Nil, Ganges bis zu Niger und Mekong. Eine Folge des rasanten Wirtschaftswachstums in diesen Regionen, mit dessen Dynamik die Entwicklung der Müllbeseitigung bis heute nicht Schritt halten kann.
Zwischenzeitlich wird hier aktiv investiert - für den Ausbau einer geordneten Entsorgung und effektiven Weiterverwertung des Abfalls. Wie zum Beispiel dessen Verbrennung zur Energiegewinnung in entsprechend ausgestatteten Kraftwerken. So ist dem Müll beizukommen, was auch die Verschmutzung der Meere verbessert.
Ein weiterer Ansatz verspricht ebenfalls Abhilfe: Da sich der weltweite Mülltransfer zu Wasser vor allem auf die genannten 10 Flüsse konzentriert, eröffnet sich die Möglichkeit, mit lokalen Maßnahmen dagegen vorzugehen. Wie es auch hier „The Ocean Cleanup“ tut: Die Organisation hat ein neues Abfangsystem für den Einsatz in Flüssen entwickelt. Der „Ocean Cleanup Interceptor“, ein solarbetriebenes, 24 Meter langes Boot mit Siebvorrichtung und Container, soll bis zu 50 Millionen Tonnen Müll pro Tag aus den fließenden Gewässern filtern – bevor sie in die Ozeane gelangen. Ein Engagement, das Schule machen könnte.
Was ist:
Eine Studie von Ozeanexperten um Dr. Britta Denise Hardesty, Forschungsleiterin bei der australischen Wissenschaftseinrichtung CSIRO Oceans and Atmosphere, bringt deutliche Fakten zutage. Hierfür wurden 451 Fischereibetriebe in 7 Ländern befragt[4]:
Pro Jahr gehen über 2 Prozent aller Fischfanggeräte verloren.
In den Meeren befinden sich mittlerweile 25 Millionen Reusen (Fangkäfige) und 14 Milliarden Köderhaken.
Dazu:
2.963 Quadratkilometer Kiemennetze – flächenmäßig größer als das Saarland (2.570 Quadratkilometer),
75.049 Quadratkilometer Ringwandnetze – mehr als das flächengrößte Bundesland Bayern (70.550 Quadratkilometer),
218 Quadratkilometer Schleppnetze – das entspricht etwa 30.000 Fußballfeldern,
739.538 Kilometer Lang- und Hauptleinen – damit könnte man die Welt 17-mal umwickeln und 11,5 Millionen Zweigleinen.
Was getan wird:
Maßnahmen zur Verhinderung von Plastikmüll durch Fischereigeräte:
Das „Internationale Übereinkommen zur Verhütung der Meeresverschmutzung durch Schiffe“, genannt MARPOL, untersagt, Schadstoffe ins Meer einzubringen. Die EU-Fischerei-Kontrollverordnung verbietet das Entsorgen von Fischereigeräten im Meer. Verloren gegangene Netze müssen den Behörden gemeldet werden. Mit dem Projekt „Marelitt Baltic“ untersuchen Fischereigemeinden, Forschungsinstitute & Umweltverbände aus Schweden, Estland, Polen & Deutschland, wie Kunststoffnetze geborgen & wiederverwertet werden können. Organisationen und Projekte, wie AegeanRebreath“, „GhostNets Australia“, „Ghost Diving“ oder „Healthy Seas“ setzen sich für die Bergung, Entsorgung und die Wiederverwertung von Geisternetzen ein.
[1] Veröffentlichung WWF Themen & Projekte Geisternetze 17.08.2018
[2] Scientific Reports: Evidence that the Great Pacific Garbage Patch is rapidly accumulating plastic 2018, L. Lebreton
[3] Study „The Ocean Cleanup“ (Müllsammler System 001/B 2019), „Der Spiegel“ 05.09.2022
[4] Veröffentlichung Science Advances, Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO), Publikation „GEO“ 14.10.2022
Bildquelle: ALPLA
Bildunterschrift: Auch in der kommerziellen Fischerei hat Plastik seinen festen Platz: Kunststoff ist in puncto Gewicht, Handling und Haltbarkeit anderen Materialien gegenüber überlegen.

Kunststoff und Raumfahrt
Der Weltraum. Unendliche Weiten … und ohne Kunststoff nicht zu ergründen, sagen Experten. So kontrovers wie über das Material auf der Erde diskutiert wird, so unverzichtbar ist es für die Reise ins Universum – ob zur Verpflegung von Astronauten oder bei der Konstruktion von Satelliten und Raketen.
Unser Verhältnis zu Kunststoff ist zwiespältig. Täglich nutzen wir Plastik, schätzen es aber kaum. Beispiel PET-Flaschen: Praktisch in der Handhabung, doch meist als bloße Wegwerfprodukte gesehen – und störend, wenn sie als Müll wieder auftauchen.
Um die wahre Bedeutung einer Sache zu erkennen, lohnt oft der Blick über den Tellerrand hinaus – für das Thema Plastik sogar zu den Sternen. Denn dort werden wir tatsächlich fündig. „Ohne Kunststoff geht in der Raumfahrt nichts“, sagt Alexander Ihle, Structural Engineer bei der European Space Agency (ESA) und zuständig für Erdbeobachtungsmissionen.
Wie Kunststoff den Weltraum erobert
Im ersten Augenblick klingt es ungewöhnlich, doch was Kunststoffverpackungen auf der Erde bereits auszeichnet, macht sich auch die Raumfahrtindustrie zunutze – sie setzt vermehrt auf die charakteristische Kombination aus Leichtigkeit und Stabilität. Und das sowohl zur Konstruktion von Raumschiffen als auch für die Verpflegung der Raumfahrer. Deren Nahrung befindet sich nämlich gefriergetrocknet und entwässert in Plastikbeuteln mit angeheftetem Strohhalm. Und wie bei uns auf der Erde, ermöglichen die Kunststoffverpackungen durch Schutz und Haltbarmachung auch im All eine große Auswahl an Getränken und Lebensmitteln. „Man muss sich nur anschauen, was die ersten Astronauten zur Verfügung hatten und was sie jetzt auf der Raumstation ISS an Verpflegung bekommen. Neil Armstrong hätte sich vermutlich nicht träumen lassen, dass ein solches Angebot möglich ist. Da spielt der Kunststoff schon eine recht große Rolle“, sagt Hendrik Weihs, Ingenieur und Leiter der Abteilung Raumfahrt beim Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR).
Stabilität und Effizienz im All
Doch nicht nur zur Ernährung der Astronauten sind Verpackungen aus Kunststoff unverzichtbar, das Material spielt auch zunehmend eine tragende Rolle beim Bau der Raketen. „Das fängt mit Klebstoffen an“, erzählt ESA-Strukturingenieur Alexander Ihle, „und geht bei Folien aus Kunststoff weiter. Die braucht man bei Raumfahrtsystemen beispielsweise als Sonnenschutz.“ So auch für die Konstruktion spezieller Elemente, wie Alexander Ihle erläutert: „Wir nutzen faserverstärkte Kunststoffe, um Bauteile zu fertigen, die sowohl leicht und beständig sind als auch eine hohe Temperaturbelastbarkeit aufweisen.“
Nicole Thalhofer, Leiterin Raumfahrt beim Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie e.V. (BDLI) betont: „Die Verwendung von Plastik und Kunststoffen im All hat die Effizienz von Raumfahrtmissionen erheblich gesteigert.“ Sie nennt ein Beispiel: „Die ArianeGroup arbeitet derzeit an ICARUS, einer innovativen Raketenoberstufe aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK).“ Und weist auch auf die weiteren Einsatzbereiche hin: „Kunststoffe sind nicht nur in Strukturbauteilen zu finden, sondern auch in rein funktionalen Komponenten wie Isolierungen und Dichtungen.“
Zukunftsmaterial für Kosmos und Erde
Hochleistungskunststoffe, die für die Rückkehr aus dem All zusätzlich mit Thermalschutzsystemen ausgestattet sind, nehmen also beim Raketenbau neben Metall einen immer wichtigeren Platz ein. Und stehen natürlich auch im Zeichen der Nachhaltigkeit. DLR-Abteilungsleiter Hendrik Weihs: „Wir sehen, dass die klassische Rakete sich langsam auf den Weg begibt zu einem wiederverwendbaren Raumtransportsystem.“
BDLI-Raumfahrtspezialistin Nicole Thalhofer: „Die Entwicklungen im Bereich der Kunststoffe in der Raumfahrt haben auch wichtige Implikationen für Anwendungen auf der Erde. Im Fall von ICARUS forscht die ArianeGroup, wie man CFK-Tanks für kryogene Flüssigkeiten mit Temperaturen bis zu minus 250 Grad Celsius entwickelt und baut.“ Relevant wäre das beispielsweise für den Transport und die Lagerung von Wasserstoff.
Recycelbare Raumschiffe aus dem 3D-Drucker
„In meiner Abteilung schauen wir gerade auf biobasierte Materialien“, erläutert Hendrik Weihs vom DLR und sagt: „Da ist auch bei Kunststoffen vieles möglich. Man muss dabei immer das Gesamtszenario betrachten, ob für Raketen oder Satelliten.“
Alexander Ihle ergänzt: „Der Trend geht in der Raumfahrt eindeutig zu faserverstärkten Kunststoffen. Das Material hat zahlreiche Vorteile, man kann viel mit ihm machen. Und es auch umweltgerecht einsetzen. Ich denke, das Beispiel der PET-Flasche ist hier durchaus geeignet.“ Das zielt auf die Eigenschaft zur Wiederverwertung. Denn der Einsatz von Kunststoffen steht auch bei der Raumfahrt im Zeichen von Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. Wie es PET-Flaschen vormachen – sie stehen für eine hohe Recyclingfähigkeit, im Bottle-to-Bottle-Verfahren sogar zu 100 Prozent.
Möglicherweise kommen die wiederverwertbaren und biobasierten Kunststoff-Raketen der Zukunft komplett aus dem 3D-Drucker. Bereits heute schon werden aufblasbare Weltraum-Habitate aus Kunststofffasern erprobt[1]. Die Innovationen aus dem Bereich der Kunststoffverpackungen können hier durchaus als Impulsgeber dienen. Ob der berühmteste Vulkanier der Filmgeschichte dazu gesagt hätte „Plastic is Fantastic“ wissen wir nicht, aber sein „Faszinierend“ klingt durchaus an.
[1] https://www.sierraspace.com/commercial-space-stations/life-space-habitat/
Bildquelle: ESA/NASA - T. Pesquet
Bildunterschrift: Essen und Trinken bei den Sternen: Die Nahrung der Astronauten befindet sich in speziellen Kunststoffverpackungen, die vor Weltraumbedingungen schützen, das Austreten von Krümeln verhindern und eine sichere Zubereitung ermöglichen.
